Jetzt hängt er am Haken! – Was macht eine gute Hookline aus?

Nein, wir reden hier nicht vom Angelsport, sondern von etwas, das jeder von uns kennt, auch wenn der Begriff vielleicht nicht so geläufig sein mag. Es sind die paar Noten, die uns sofort einen Song erkennen lassen. Die zwei Worte, die uns direkt mitsingen lassen. Ein Takt, und wir hängen schon am Haken des Songs. Und im ersten Moment weiß man gar nicht so recht, warum eigentlich? Die Antwort: Eine gute Hook oder Hookline.

Was ist überhaupt eine Hook bzw. Hookline?

Sie stellt im Grunde den Kern des Songs dar – das Erkennungszeichen. Das, was den Song, den wir hören einzigartig macht. Die Melodie oder das Riff, dass wir im Plattenladen oder in unsere Erkennungs-App singen, weil wir den Titel nicht kennen. Oft finden wir sie natürlich im Refrain bzw. Chorus eines Songs – aber das ist nicht zwingend der Fall. Denken wir zum Beispiel an „Smoke on the Water“ – das ikonische Gitarrenriff, dass nicht selten zu den ersten gehört, die man spielen lernt. Aber im Refrain des Songs ist es nirgendwo zu finden, sondern es bildet ein Motiv das immer wieder auftaucht. In einem Satz:

Die Hook eines Songs ist ein Teil des Songs, der besonders hervorsticht und einprägsam ist, sodass der Hörer es auch nach Ende des Songs im Ohr behält.

Schauen wir uns mal die beiden hauptsächlichen Varianten von Hooks an.

Musik die bleibt – die instrumentale Hookline

Bleiben wir beim Beispiel „Smoke on the Water“ – hierbei handelt es sich um eine klassische instrumentale Hookline. Die ersten paar Akkorde, und wir wissen was kommt. Das ist im übrigen keine neue Erfindung – schon in Beethovens fünfter Sinfonie haben wir eine musikalische Hookline – Ta Ta Ta Taaa. Kennt und erkennt jeder.

Eine gute musikalische Hookline besticht dabei aber vor allem NICHT durch virtuoses Spiel sondern durch relative Einfachheit. Das heisst nicht, dass „Alle Meine Entchen“ immer eine gute Hook ist oder dass Ihr nicht experimentieren sollt. Aber oft ist es so, dass eine musikalische Hookline eine relativ einfache Abfolge von Tönen oder Akkorden ist – also ohne Schnörkel, Tremolos oder dergleichen.

Ich empfehle tatsächlich erst einmal den Song von der Struktur her fertigzustellen und auch schon mal den harmonischen Rahmen festzusetzen. Vielleicht habt ihr unwillkürlich schon die perfekte Hook für den Song geschrieben und es noch gar nicht gemerkt? Falls nicht, ist das auch kein Beinbruch. Experimentiert mit den Akkorden herum, vielleicht spielt ihr auch eine einfache Melodie auf das Hauptriff des Songs – denken wir nur mal an „The Riddle“, wo eigentlich jeder die Melodie mitpfeifen kann – die letztlich nur die gepfiffene Version des Chorus ist.

Experimentiert, spielt herum und probiert vor allem auch die GANZ albernen Sachen aus – daraus entsteht nicht selten die perfekte Hook für Euren Song.

Worte mehr als Schall und Rauch – die textliche Hookline

Die wohl bekannteste Variante – und oft das Hauptmerkmal der „Ballermann-Songs“. Allerdings auch vieler anderer erfolgreicher Hits. „Ist nicht der Chorus bzw. der Titel die Hookline?“

Kann, muss aber nicht. Zwar bietet sich die Hookline gerne als Titel an, aber es gibt immer wieder sehr erfolgreiche Songs, wo die Leute im Laden stehen oder Erkennungs-Apps benutzen, um den Titel eines Songs herauszufinden. Effektiv geht es also hauptsächlich um die „Punchline“ des Songs, die den Hörer direkt zwischen den Ohren trifft.

Wo die Hookline effektiv platziert ist, spielt daher keine Rolle. Wichtig ist, dass sie sowohl leicht über die Zunge geht und einprägsam ist, als auch, dass sie perfekt zur Musik passt. Klingt im ersten Moment deutlich komplizierter als es tatsächlich ist. Nicht zuletzt aus dem Grund, als dass sich beides irgendwo bedingt.

Eine gute Text Hookline schafft es, den Kern des Songs in maximal einem Satz, vielleicht sogar in einem Wort zusammenzufassen. Ganz simples Beispiel hierfür wäre der Song „Blue“ von der Dance-Kombo „Eiffel 65“ aus der Mitte der 90er: Ein kurzer Satz, der die effektive Aussage des Songs auf den Punkt bringt: „I´m blue, da ba dee“.

Versucht also, euren Song zunächst auf einen Satz oder ein Wort zu reduzieren. Was ist der Kern der Aussage? Je emotionaler dieses Wort ausfällt, umso besser. Wenn Ihr das geschafft habt, probiert genau das als Hookline aus und achtet auf den Lautklang der Worte. Viele „O“ oder „U“ lassen den Satz im Ganzen dunkler oder verschlossener, also in sich gekehrter klingen, „I“ oder „E“ tendenzieller heller. Und je mehr „A“ drin vorkommt, desto offener wirkt es. Passt der Satz bzw. das Wort so gut in die Musik hinein? Wenn nicht, schreibt ihn um, ohne den Sinn zu verlieren. Hier kann tatsächlich ein Thesaurus oder ein Duden wirklich hilfreich sein.

Und wie immer: Experimentiert, spielt mit den Worten und wer weiß? Vielleicht gelingt euch sogar die Kombination aus musikalischer und textlicher Hookline? Gratulation, dann habt ihr genau den richtigen Mitmach-Song in der Mache!

Fazit

Egal ob Text oder Musik – die Hookline sorgt dafür, dass der Hörer Euren Song so schnell nicht vergisst. Geht aber nicht zu verkrampft an die Sache heran. Nicht jeder Song braucht eine Hook, um gut zu sein. Und manchmal ist etwas Abstand genau das, was ein Song bzw. eine Hook zum Reifen braucht. Lasst das Stück ein paar Tage liegen und widmet euch anderen Songs oder Aufgaben. Oft platzt der Knoten dann von allein. Und manchmal hilft auch eine äußere Perspektive – Gerne helfen wir Euch da auch weiter.

Natürlich ist es allein damit noch nicht getan. Eure Songs wollen ja noch arrangiert werden, sodass es einen Guss ergibt. Und leider gibt es nun mal noch viele andere Aufgaben, die erledigt werden wollen – vor allem, wenn man Ambitionen hat. Vielleicht reden wir einfach mal unverbindlich darüber?