Wer den Pfennig nicht ehrt….Wieviel Gage darf ich nehmen?

Es geht auf das Ende des Jahres zu, und viele von uns sind schon eine ganze Weile mit dem Booking neuer Gigs beschäftigt. Dabei kommt natürlich auch das Thema „Gage“ auf.

Ein Thema das so simpel wie heikel, so simpel wie auch kontrovers ist: Das liebe Geld. Die Meinung darüber gehen weit auseinander – von „Sei dankbar für jeden Gig, den du bekommst!“ bis hin zu „unter so und so viel Euro würd ich gar nicht erst antworten!“ ist so ziemlich alles dabei. Aber gerade am Anfang, wenn die ersten Gigs möglich sind, stellt sich nicht selten die Frage „Wieviel Gage darf ich verlangen?“

Einfach betrachtet können wir das rein betriebswirtschaftlich angehen:

(Mögliche Publikumsgröße, die ich ziehen kann x Ticketpreis) – Kosten für die Band = mögliche Gage

Wenn die Antwort darauf so einfach wäre, würde ich vermutlich nichts weiter zu schreiben haben. Denn diese Rechnung kann besonders am Anfang nur relativ schwer als Basis dafür herhalten. Schauen wir uns doch die einzelnen Aspekte dieser Rechnung an

Mögliche Publikumsgröße

Das ist natürlich DAS Argument, um einen Veranstalter von einer Gagenforderung zu überzeugen. Wenn ich mir sicher sein kann, dass mindestens so und so viele Leute kommen, dann ist das eine direkte messbare Größe, mit der ein Veranstalter kalkulieren kann.

 

Das bedeutet für die Praxis: Wenn ihr euch sicher seid, dass 50 Leute kommen würden, dann kalkuliert besser mit 20 (zum Beispiel). Am besten nehmt Ihr – falls das möglich ist – andere Auftritte unter ähnlichen Bedingungen als Referenz.

Ganz wichtiger Faktor ist hierbei vor allem der Wochentag, an dem gespielt werden soll. Am Wochenende haben tendenziell mehr Leute Zeit, ein Konzert zu besuchen, als unter der Woche. Auch die Zugänglichkeit zur Location spielt eine Rolle: Wenn ich in einem Dorfclub spiele, meine Fanbase aber in der Großstadt ist, kann es durchaus sein, dass deutlich weniger kommen. Einfach, weil es für diejenigen zu aufwendig ist, zur Location zu fahren.

Ticketpreis

Hier kommt es natürlich darauf an, ob Ihr selbst das Konzert veranstaltet oder ob Ihr „extern“ seid. Im letzteren (und häufigeren) Falle habt ihr relativ wenig Einfluss darauf, denn der Veranstalter hat seine eigene Kalkulation, was den Ticketpreis angeht.

Allerdings ist diese Größe besonders dann wichtig, wenn eine Mindestticketabnahme gefordert ist, denn sie bestimmt dann Eure mögliche Gewinnspanne. Zu den verschiedenen Modellen gleich noch mehr. Kommen wir zunächst zum letzten und größten Posten der Rechnung:

Kosten für die Band

Hierunter fallen natürlich zunächst einmal Eure Reisekosten, je nachdem, wie weit die Location von Euch entfernt ist. Also Anfahrt, Unterkunft, Heimfahrt und Verpflegung. Darüber hinaus müsste man theoretisch auch anteilig die Kosten für den Proberaum (inklusive Nebenkosten) und natürlich einen Stundensatz einrechnen.

Aber das ist genau der Punkt: Theoretisch

Praktisch verhält es sich oft so, dass diese Kosten nicht als Betriebskosten wahrgenommen werden. Sondern viel mehr die Kosten für Euer Hobby darstellen.

Was also tun? Wie finde ich denn jetzt die Antwort darauf?

Zunächst einmal vorweg: Wenn Ihr als Coverband irgendwo auftretet, dann solltet ihr auf jeden Fall IMMER eine Gage verlangen, die auf der eingangs vorgestellten Rechnung basiert. Wobei es hier weniger darum geht, wie viele Leute ihr zieht, sondern wie viele Gäste zu erwarten sind. Denn als Coverband seid Ihr reine Dienstleister, die auch ggf. noch Lizenzgebühren und dergleichen zu tragen haben. Hier solltet ihr auch dem Veranstalter nicht zu viel entgegenkommen, denn letztlich bucht er euch anstelle eines DJ.

Spielt Ihr allerdings eigene Songs, wird es schon etwas schwieriger. Als Daumenregel empfiehlt es sich zu schauen, wieviel Publikum man realistisch anzieht. Basierend da

Dennoch ist hier eine große Vorsicht geboten. Wer hier utopische Zahlen nennt, kann je nach Vertrag in einige Schwierigkeiten geraten. Denn Veranstalter reden miteinander. Da ist es ganz schnell passiert, dass man allgemein den Ruf hat, leere Versprechungen abzugeben. Und dann das Vertrauen zurückzugewinnen ist schwierig.

rauf kann man dann grob abschätzen, wieviel Umsatz man dem Veranstalter einbringt – einen Teil dieses Umsatzes könnt Ihr dann als Gagenvorschlag ansetzen.

Wenn Ihr noch am Anfang der Bandkarriere steht, werdet Ihr tendenziell Supportslots spielen – also als Anheizer für einen (mehr oder weniger) bekannten Headliner. Je nach Headliner kann es durchaus Sinn machen, auch ohne Gage zu spielen. Allerdings nur dann wenn ein größeres Publikum zu erwarten ist, dass Euch auf diesem Wege kennenlernt.

Davon abgesehen, ist es besser, wenigstens einen kleinen Unkostenbeitrag zu verlangen, als völlig kostenfrei zu spielen. Erstens, weil es sich sonst schnell rumspricht, dass Ihr auch kostenlos spielt (Veranstalter reden miteinander). Zweitens aber auch, weil wie eigentlich überall oft die Meinung vorherrscht: „Was nichts kostet, ist auch nichts“.

Fazit

Eine angemessene Gage zu berechnen hängt von zumeist sehr individuellen Faktoren ab, die gerade am Anfang der Karriere schwer abzuschätzen sind. Meine konkrete Empfehlung hier lautet, wenigstens für den metaphorischen „Kasten Bier“ zu spielen. Allerdings nur, wenn die eingangs beschriebene Formel so gar nicht passen kann/will.

Wenn ihr Reisekosten (An- und Abfahrt, Verpflegung und Übernachtung) haben werdet, dann empfiehlt es sich diese wenigstens abgedeckt zu bekommen. Entweder dadurch, dass Catering und Unterkunft gestellt oder eben bezahlt werden.

Spätestens sobald ihr eine erste, feste Fanbase habt, solltet Ihr anhand der Formel einen Betrag errechnen, mit dem Ihr in die Verhandlung geht. Mit dem Preis herunter gehen kann man gegebenenfalls immer noch. An dieser Stelle möchte ich noch einmal betonen: Es ist okay, kostenlos zu spielen, wenn ein echter Mehrwert für die Band zu erwarten ist.

So oder so gilt, dass Ihr euch vorher innerhalb der Band abgesprochen haben solltet, was das minimale Ergebnis sein sollte.

Für Clubkonzerte, bei denen Ihr als eine von mehreren Bands mitmacht habe ich noch einen Tipp, mit dem man auch als Anfänger zumindest eine kleine Gage erzielen kann und es dennoch fair für alle beteiligten Bands ist:

Der Doordeal

Beim Doordeal teilen sich die Bands das finanzielle Risiko. Hierbei werden sämtliche Kosten und Erlöse gleichmäßig verteilt. Spielen an dem Abend zum Beispiel mit Euch insgesamt 3 Bands, so wird die Rechnung wie folgt gemacht:

Einnahmen aus Vorverkauf und Abendkasse – Kosten für die Location/die Veranstaltung = Gewinn/Verlust –> Gewinn/Verlust / 3 = Gewinn/Verlust der einzelnen Band.

 

Dies ist eine der aktuell gängigsten Arten, das Thema Gage gerade am Anfang ein wenig zu umschiffen, zumal viele Veranstalter ihr eigenes finanzielles Risiko möglichst gering halten wollen.

Wie gesagt, die Entscheidung ist stets sehr individuell – vielleicht reden wir mal darüber? Schreibt mich doch einfach hier an!