Was danacht kommt – Ready, set….

Seit nun mehr sieben Wochen befinden wir uns im Lockdown – und für uns Musiker ist da noch kein echtes Ende in Sicht. Viele machen sich jetzt Sorgen um ihre Existenz und tun alles, um das Ganze so gut wie irgendwie möglich zu überstehen; sei es mit Geisterkonzerten, Livestreams aus dem Wohnzimmer oder Proberaum… Andere nutzen die Zeit für Vermarktung und Communityaufbau, indem sie uns an ihrem kreativen Alltag teilhaben lassen oder ihre Fans bei der Arbeit mit einbinden. Wieder andere nutzen diese Zeit für Kreativarbeit: Neue Songs, neue Ideen, neue Experimente…der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt.

Aber das wird ja zum Glück nicht ewig so weiter gehen. Warum also einen Teil der Zwangspause nicht dafür nutzen, um sich eventuell schon mal auf den “Neustart” vorzubereiten? Daher hier drei Dinge, die sich im Grunde leicht erledigen lassen, die aber gerne aufgeschoben werden. JETZT ist die Zeit, sie in Angriff zu nehmen:

1. Selbstfindung

So esoterisch es im ersten Moment klingt, so meine ich damit vor allem die Beantwortung der Frage: Was und wie identifiziert Ihr euch mit eurem Projekt? Wofür steht es, was ist die Absicht? Gute Laune verbreiten? Zum Nachdenken anregen? Anklagen?

Nutzt die Zeit euch klar zu machen, welche Kernbotschaft das Projekt nach außen tragen soll. Natürlich können in den individuellen Stücken alle möglichen Intentionen stecken. Aber was ist die generelle Richtung oder – um es mit neu-deutschem Begriff zu titulieren – “Was ist eure MISSION”?

Sich selbst Klarheit darüber zu verschaffen wirkt sich unmittelbar darauf aus, wie man an die verschiedensten Dinge herangeht: Wortwahl von Social Media Posts. Stimmung des Bildmaterials. Artworks für Cover/Thumbnails. Design und Aufbau des EPKs und vieles mehr.

Ein weiterer Vorteil eines eindeutigen Selbstbildes ist auch die Möglichkeit, dies in seiner Darstellung beim Booking einfließen zu lassen, oder beim Umgang mit Venues, Labels, ja selbst bei der Suche nach neuen Bandmitgliedern. Wenn ich mich selbst kenne, dann kann ich auch besser beurteilen, ob eine Person/Agentur/Label zu mir und meinem Projekt passt oder nicht.

Der wichtigste Punkt: Es gibt dem Publikum die Möglichkeit das Projekt für sich einzusortieren und macht es dadurch leichter, sich damit zu identifizieren und letztlich zum viel-beschworenen “Super-Fan” zu werden.

Für einen Blick von außen und tatkräftige Unterstützung stehe ich natürlich zur Verfügung 😉

2. Finanzen auf Vordermann bringen

Keine Panik, trotz des Trigger-Begriffs “Finanzen” ist es alles nicht so schlimm, wie man vielleicht denken mag 😉

Fakt ist, dass gerade Dinge wie Buchhaltung (für die sich spätestens das Finanzamt interessiert, solltet ihr bereits einen gewissen Erfolg haben), Kalkulation (um zu wissen, wie ihr in Gagen Verhandlungen vorgehen könnt) und Verwaltung der Finanzen einen nicht unwesentlichen Teil zum Erfolg des Projektes beitragen. Warum also nicht die Zeit nutzen und eine Bestandsaufnahme machen?

Meine persönliche Empfehlung ist dabei in dei Schritten vorzugehen:

Schritt 1 – Standortbestimmung:

  • Welche Ausgaben und welche Einnahmen hatten wir im letzten Jahr?
  • Welche laufenden Kosten(Proberaum zB) fallen aktuell an? Lassen sich diese durch Merchverkauf wieder ausgleichen? Wie wirkt sich das im Einzelnen auf die Situation der Mitglieder aus?
  • Wieviele Leute werden wir ziehen können, sobald Live-Auftritte wieder möglich sind? Wieviele mindestens, wieviele realistisch und wieviele im besten Fall?
  • Haben wir alle Belege für die Ausgaben des letzten Jahres zusammen? Im Zweifel müssen wir diese jederzeit vorlegen können.
  • Wenn wir einen Gig in der Heimatstadt spielen würden, welche Gage müssten wir mindestens nehmen, um nicht drauf zu zahlen? Wie sieht das mit Gigs in 200 km Entfernung aus?
  • Haben/Hatten wir Pläne für dieses Jahr, die Investitionen erfordern? Musikvideo, Studiozeit, bezahlte Bemusterungen, Presswerke, etc? Wenn ja, wie hoch sind diese Kosten und werden wir in der Lage sein, diese Pläne wie geplant umzusetzen?

Schritt 2 – Zielortbestimmung:

  • Wieviel Gewinn können wir realistisch für das Projekt erwarten? Bis wann wollen wir dieses Ziel erreicht haben?
  • Wie groß soll unsere Fanbase bis wann mindestens werden?
  • Was sind die “Must-haves” in diesem Jahr? Welche Pläne lassen sich gegebenenfalls verschieben?

Schritt 3 – Umsetzung bzw Vorbereitung der Umsetzung:

  • Eine einfache Tabelle zur “Buchführung” um es sich selbst leichter zu machen
  • Kalkulation der Wunsch- und der Mindestgage, Merchpreise etc
  • Klären, was zur Erreichung der “Must-Haves” notwendig ist: Zusätzliche Gelder?Hilfe von bestimmten Leuten?
  • Einen “Angriffsplan” zur Vergrößerung der Fanbase unter den gegebenen Umständen

Das ist natürlich eine Herangehensweise. Wie man das macht ist so individuell wie euer Projekt selbst. Selbstverständlich kann ich euch gerade bei der trockenen Mathematik oder bei der Lösung von Finanzierungsproblemen behilflich sein. Meldet euch einfach mal unverbindlich bei mir!

3. Beziehungen zur Fanbase auf- und ausbauen

Der Klassiker, der natürlich auch von 150.000 Coaches, Beratern, Gurus etc auf Facebook und Co empfohlen wird. Aber so sehr wir alle auch von den Werbepostings geflutet werden, ist da doch etwas wahres dran:

Wenn wir gerade jetzt den Bezug zu unseren Fans verlieren, werden es letztlich weniger als vorher sein.

Aus den Augen, aus dem Sinn ist nicht ohne Grund eine gängige Redensart 😉

Das schönste ist: Das lässt sich relativ leicht bewerkstelligen. Lasst eure Fans an eurem Leben teilhaben. Teilt ihnen mit, wie ihr mit der Situation umgeht. Ihr habt ein cooles neues Riff? Zeigt es! Und erzählt dabei gleich, wie ihr darauf gekommen seid, was ihr damit verbindet. Die Story zum Riff, quasi 🙂

Die Möglichkeiten sind endlos aber definitiv nicht fruchtlos – denn gerade in solchen Ausnahmesitationen, wünschen sich viele Menschen ein “Näher zusammen rücken” – auch wenn es aktuell nur virtuell ist.

Wichtig dabei ist wie immer: Regelmäßig melden, menschlich sein und die Fans mit einbeziehen. Wirklich “falsch” kann man hier eigentlich nicht viel machen 🙂

Das nur ein paar Ideen, wie man die Konzertlose Zeit doch noch sinnvoll nutzen kann. Euch fallen bestimmt noch viele weitere Dinge ein. Und falls Ihr mal eine Meinung von außen, Rat oder Unterstützung braucht: Ich bin nur eine Nachricht entfernt 🙂

In diesem Sinne bleibt gesund und kreativ!

Euer Bandcoach